Artikelbild: Erzählveranstaltung im Museum

Im Museum erzählen – Erzählort Museum

1080 540 Uschi Erlewein

Im Museum erzählen ist mehr als im Ambiente eines Museums Märchen zu erzählen. Nicht der Erzählort soll den Geschichten Farbe verleihen – das Erzählen bringt emotional-lebendige Erlebnisebenen in eine Ausstellung.

Monatliche Erzählreihe im Linden-Museum, Stuttgart

Im Mai 2004 begann meine monatliche Erzählreihe “ Die weite Welt in Worten “ im Linden-Museum Stuttgart (staatliches Museum für Völkerkunde). Zuerst in den Dauerausstellungen, bald kamen auch Sonderausstellungen dazu.

Selbst nach über 10 Jahren Erzählen im Museum ist es für mich noch immer etwas Besonderes inmitten der Ausstellungsstücke zu stehen und zu erzählen. Der visuelle Eindruck der Objekte, die mich umgeben, vermittelt eine ganz eigene Atmosphäre und stimmt das Publikum auf die jeweilige Erzähltradition ein. Die von mir erzählten Geschichten verlebendigen die Objekte und ermöglichen einen neuen Zugang. Diese Wechselwirkung macht die Besonderheit der Erzählsituation aus.

 

„Das Leben besteht aus Geschichten, man muss sie nur finden. Schöner ist es aber, man bekommt diese erzählt und besonders schön werden diese, wenn man sie von Uschi Erlewein vorgetragen bekommt.“ (Zuschauerstimme)

 

Erzählungen greifen Ausstellungsthemen auf

Die von mir ausgesuchten Mythen, Märchen, Legenden oder Gleichnisse sind nicht zufällig gewählt. Sie haben immer etwas mit den Ausstellungsstücken und der jeweiligen Erzählkultur zu tun. Mal harmonieren die Geschichten mit den Ausstellungsstücken, mal stehen sie im Kontrast. Auch die Reihenfolge der einzelnen Geschichten ist sorgfältig arrangiert. Jedes meiner Erzählprogramme verstehe ich als eine poetische Erzählung.

Jedoch lasse ich immer die Erzählungen selbst sprechen. Ich erkläre oder interpretiere nichts, sondern nehme die Zuschauer mit auf eine imaginative Erzählreise. Meine Erzählprogramme sind künstlerische Annäherungen an die jeweilige Erzählkultur und eröffnen den Besuchern neue Sichtweisen.

Dafür greife ich immer wieder offensichtliche oder versteckte Themen der Ausstellung auf oder lasse mich von ausgestellten Objekten für die Auswahl und das Neuerzählen von traditionellen Geschichten inspirieren. Zum Beispiel spielte in einer Südsee-Ausstellung die Geschichte von einem hölzernen Vogel eine wichtige Rolle, weil etliche geschnitzte Vögel ausgestellt waren. Oder ich erzählte die Geschichte vom Brotfruchtbaum, denn es ging in der Ausstellung um das Überleben und die Nahrungsmittel auf den Südseeinseln.

 

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Aus ethnologischer Feldforschung und mündlicher Überlieferung

In den meisten Fällen bekomme ich Informationen schon im Vorfeld einer geplanten Ausstellung und kann mich auf die Suche nach passenden Geschichten machen. Oftmals bekomme ich dabei von den Wissenschaftlern Unterstützung, ja viele der Geschichten stammen aus ethnologischer Feldforschung und mündlicher Überlieferung.

Natürlich haben sich auch viele Mythen und Märchen bei mir im Laufe der Jahre angesammelt und oftmals gibt mir eine neue Ausstellung einen Anlass endlich mir Zeit für Geschichten zu nehmen, die ich schon lange erzählen möchte.

 

Ausschnitt eines Gespräches mit einer Zuschauerin:

Zuschauerin:
„Ich erinnere mich sehr gern an Deine groß-art-ige Erzähl-Kunst.. emotional, sinnlich, lebendig.. auf jeden Fall … ich wünsche Dir eine gute (nicht nur Spiel-) Zeit… „

Geschichtenspielerin:
„Oh vielen Dank, das freut mich, dass nach so vielen Monaten noch was in deiner Erinnerung lebt!!!…“

Zuschauerin:
„Ich kann mich durchaus noch an vieles er-innern…DEINE Spiel-Freude & Dein Talent & Deine Authentizität haben dazu enorm beigetragen…“

 

 

AUTHOR

Uschi Erlewein

Uschi Erlewein spielt Geschichten von weit her, die nahe gehen. Professionelles Tourneetheater, generationsübergreifende Programme für Kinder und Erwachsene, kulturvermittelnde Erzählkunst. Szenisch erzählte Geschichten aus und über andere Kulturen, ungewöhnliche Märchen, Mythen entführen auf eine Hör-Reise in andere Welten.

All stories by: Uschi Erlewein

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